Klappentext "Um die Jahrhundertwende war Jugendlichkeit eines der »Zauberworte«, mit dem sich die Sehnsucht nach grundlegender gesellschaftlicher Veränderung verband. Jugend und Jugendlichkeit rückten ins Zentrum von Heilslehren und Vorstellungen einer wie auch immer im einzelnen gearteten neuen Gesellschaft mit neuen Menschen. Zudem bildet eine starke Generationenfragmentierung den Grundzug der deutschen Gesellschaft seit 1900. Dies gilt besonders für die Jahre nach 1918. Die Altersjahrgänge, deren Sozialisation noch in relativ stabile Jahre des Kaiserreichs fiel, prägten die Politik der sog. Systemparteien in der Weimarer Republik weitgehend. Sozialisationsbedingungen, Erfahrungshorizont und Wertorientierung unterschied sie als »Alte« zum einen von jenen Jahrgängen, die als junge Soldaten die Massenschlachten der Jahre 1914 bis 1918 überlebt hatten. Der Krieg als »cohort defining event« bestimmte ihr Bewu\sstsein des Zeitenbruchs zwischen Vor- und Nachkriegswelt und ihre Selbststilisierung als »verlorene Generation«. Des weiteren wuchsen Alterskohorten heran, ab 1902 geboren, deren Erfahrungen von Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und Zukunftsängsten geprägt wurden. »Die überflüssige Jugendgeneration« oder die »ausgesperrte Generation« sind hier zentrale Schlagworte. In der Weimarer Republik standen die Erlösungsdimension von Jugendlichkeit und der Generationenkonflikt im Zentrum der Krisenwahrnehmung einer von tiefgreifenden Erschütterungen geprägten Zeit. Der Konflikt war klassenübergreifend und erfa\sste nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Er spielte als Deutungsmuster für den »Untergang« des demokratischen Systems und den Aufstieg des Faschismus eine entscheidende Rolle. Die Mythisierung von Jugend und Jugendlichkeit sowie die Generationenkonflikte der Weimarer Gesellschaft sind gleichsam Steine in einem »generation game« , eine Formulierung, die nicht ganz ohne Absicht an das komplizierte »Glasperlenspiel« denken lässt, das Hermann Hesse unter den Eindruck des Endes der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus schrieb. Die vielschichtigen Aspekte des Mythos Jugend sind ebenso im Zusammenhang mit innen- und au\ssenpolitischen sowie wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Weimarer Republik zu sehen wie mit extremen Sozialisationsbedingungen bestimmter Jahrgänge, längerfristigen gesellschaftlichen Umbrüchen, ausgeprägter Mythen- und Heilsempfänglichkeit der Zeit und einer von Generationendenken bestimmten Krisendeutung."