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Umweltbewußtsein und Massenmedien. Der Stand der Debatte Export

edited by: Gerhard de Haan

In Umweltbewußtsein und Massenmedien. Perspektiven ökologischer Kommunikation (1995), pp. 17-34.

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Evtl. für TuAk-neu interessant (eine Faktoren Medienwirkung -> Umwelthandeln).

==(Einleitung)==

Bezugnahme auf Luhmann, Umweltphänomene werden erst durch die gesellschaftliche Kommunikation darüber zu Umweltproblemen (S. 17). Bei Luhmann ausgeblendet: Zusammenhang System der Massenmedien - ökologische Kommunikation. Fazit: "Umweltprobleme werden durch Kommunikation erst als solche definiert, und daß sie kommuniziert werden können, ist abhängig von Massenmedien als Informationsbereitsstellungssystem." (S. 18). Im weiteren soll es dann darum gehen, welches Material Massenmedien zur ökologischen Kommunikation der Gesellschaft bereitstellen, wo dieses Resonanzen erzeugt etc.

==Informationsquantität und Umweltbewußtsein==

- Konzept des "Agenda-Settings" der Medienwirkungsforschung (je öfter ein Thema kommt, je stärker es hervorgehoben wird, desto mehr Aufmerksamkeit wird darauf gelenkt) (S. 19). Entscheidend für die "Macht der Medien": Was wird ausgewählt, wie wird es präsentiert?

- Naive Annahme: je mehr Umweltthemen präsentiert werden, desto eher nimmt ökologisches Handeln zu; dem ist nicht so (S. 19).

- Statt Kumulationsmodellen (wenn genügend Info angehäuft ist, wird sie verhaltenswirksam), scheinen eher Impulsmodelle zuzutreffen (vgl. Umweltbewusstsein <-> diverse singuläre Themen wie Tschernobyl, Sandoz, Robbensterben), genauer zugespitzt: "Echomodell": "Erfolgt die Berichterstattung über ein Thema zwar nur über kürzere Zeiträume, dafür aber intensiv, so hat dies einen Einfluß auf das Problembewußtsein der Bevölkerung, der länger anhält als die verstärkte Berichterstattung über das Ereignis selbst." (S. 20).

==Informationsqualität und Umweltbewußtsein==

Da sich Konzepte, die die Quantität der Berichterstattung mit Umwelthandeln verbinden, wenig sinnvoll erscheinen, greift de Haan nun zum Faktor "Qualität der Informationen". Allerdings stellt auch er fest: "Nun zeigt sich, daß die daran anschließende Frage, 'Mit welchen Informationen kann ich welche Einstellungen herbeiführen?', kaum sinnvoll beantwortet werden kann." (S. 21) (Bsp. je nach vorheriger Einstellung kann ausführliche Information zu MVA positive wie negative Einstellungen dazu verstärken) => neue Informationen können bisher neutral eingestellte Menschen dazu bringen, auf Gefahren aufmerksam zu werden.

Fehlender Zusammenhang Umweltwissen <-> Einschätzung von Umweltrisiken (-> Wildavsky 1993); Abhängigkeit von Risikowahrnehmung vom Lebensstil. (Dürfte in Richtung Cultural Theory gehen?!)

Fazit: "dann hilft das schlichte Aufrüsten in den Wissensbeständen bei der Förderung von Umweltbewußtsein und umweltgerechtem Verhalten nicht weiter. Die Verständigung über Umweltprobleme und über das Handeln wird offensichtlich durch andere Modalitäten geregelt als über den Austausch der differierenden Fakten über Umweltzustände und ihre Folgewirkungen." (S. 23).

Nach Wildavsky ist nicht Wissen, sondern Vertrauen (in *welche* Institutionen/Personen) guter Prädiktor für Umweltrisikowahrnehmung.

==Medienwirkung und Lebensstile==

Kritik an einfachen Stimulus-Response-Modellen der Medienwirkung, Verweis auf Vielzahl weiterer Einflussfaktoren. These:

"Primär schon vorhandene umweltbezogene Einstellungen führen zu ökologischer Problemrezeption, und diese wiederum orientiert die umweltthematische Informationsaufnahme. Diese dann beeinflußt -- aber das ist nicht sicher -- die umweltorientierte Aktivität. Wenigstens aber ist die Rezeption von massenmedial aufbereiteten Umweltthemen und ihr Einfluß aufs Bewußtsein immer schon abhängig von einer vorgängigen Einstellungen gegenüber der Umwelt." (S. 25).

Verweis auf Kluft zwischen der Verbalisierung umweltgerechten Verhaltens und dem tatsächlichen Verhalten; Erklärungsversuch: Konformität zur medial konstruierten öffentlichen Meinung (S. 25), Verweis auf konstruktivistische Modelle.

Idee de Haan: konstruktivistische Modelle der Medienrezeption und kulturtheoretische der Einstellungsforschung verbinden? (S. 26).

Dazu hilfreich: Milieustudien (Verweis auf SINUS-Milieus, Nutzung dieses Milieuansatzes durch die Friedrich-Ebert-Stiftung für politische Bildungsarbeit) (S. 26). Konsequenz: zielgruppenorientierte Umweltwerbung kommt eher an als die breite Umweltbewusstseinsarbeit der Umweltverbände (S. 27).

Fazit: "Aus konstruktivistischer Sicht kann man, so denke ich, mit Unterstützung des Milieu- wie des Kulturkonzeptes erstens erklären, daß selbst /rezipierte/ Informationen /unterschiedlich/ wirksam sein /müssen/. Und man kann aus dieser Perspektive zweitens auch beruhigt sein: Indoktrinationsversuche auf der Basis von Einheitsberichten über die Lage der Umwelt [...] müssen auf der Ebene der Kommunikation chancenlos bleiben, da Einstellungen nicht nach dem Stimulus-Response-Modell zustande kommen." (S. 27).

==Katastrophen- und Verlautbarungsjournalismus==

Aus dieser Perspektive heraus erscheint die aufgeregte Debatte um den "Katastrophen- und Verlautbarungsjournalismus" als "schon fast unverständlich" (S. 27). Verweis auf empirische Ergebnisse der Medienforschung, etwa die Rolle von PR-Material für Journalismus, die wichtiger als die individuellen Einstellungen und Intentionen sind. Selektion von Katastrophen in der Medienlogik erklärbar.

Ein wichtiger Punkt: Thematisierung von Umweltproblemen als Unterhaltung (vgl. Voss 1995), wenig Hintergrundinformationen, eher Spektakel. Gründe: Nachrichtenwert des Außergewöhnlichen, Mediensystem etc.; wenig Abhilfe in Sicht. Spezielle Probleme des Umweltjournalismus: Komplexe Materie, technisch-naturwissenschaftliche Bildung der Redaktionen fehlt (S. 30). Andere Wege der Vermittlung, z.B. Museen, vielleicht hilfreich.

==Ökologische Kommunikation in einer emotionalen Debatte==

Diskussion der Bedeutung und Rechtfertigung von Emotionalität in der Umweltdebatte; Hinweis auf das Feld von Umweltwerbung und Umweltsponsoring.

"Wagt man einen Ausblick, so stellt sich ein, vielleicht /das/ zentrale Defizit im Verhältnis zwischen Massenmedien und Umweltbewußtsein ganz anders dar, als zunächst gedacht. Die massenmediale Kommunikation von Umweltthemen mag die ökologischen Sachverhalte präzise wiedergeben oder nur oberflächlich behandeln, sie mag den Rezipienten verfehlen und dieser mag die Informationen je nach kulturellem Kontext und Milieu ganz anders, manchmal völlig entgegengesetzt werten; dies alles kommt kaum dem Defizit gleich, das in der strukturellen Vernachlässigung des Adressaten des Rezipienten liegt. [...]" (S. 32)

Gemeint ist damit: "Der Selektionsmodus, nach dem die Medien derzeit Umweltthemen generieren, beläßt es bei Ereignissen und Emotionalisierungen. Wie der Rezipient dann mit seinem Umweltbewußtsein resonanzfähig wird innerhalb der Systeme Politik, Wirtschaft, Recht und Haushalt, das wird unter den bestehenden Selektionsmodi nicht thematisiert. Hilflos wäscht er seinen Müll ab und kontrolliert die Verpackung auf ihre grünen Punkte hin." (S. 33)

Noch schlimmer, wenn es um abstrakte Konzepte wie "Nachhaltige Entwicklung" geht.

Schluss de Haan: "Kultur- und milieubezogen ökologische Themen in den Massenmedien so zu kommunzieren, daß die Aufmerksamkeitszumutung für den Rezipienten nicht überstrapaziert wird, und diesem dabei zudem offerieren, wie er mit seinem -- wie immer ausfallenden -- Umweltbewußtsein resonanzfähig werden kann, das wäre der Glücksfall ökologischer Kommunikation." (S. 33)

tillwe (public note) - 2009-01-27 14:14:09

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