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Das Risiko des (Nicht-)Wissens. Zum Funktionswandel der Wissenschaft in der Wissengesellschaft Export

edited by: Stefan Böschen, Ingo Schulz-Schaeffer

In Wissenschaft in der Wissensgesellschaft (2003), pp. 97-118.

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KROHN analysiert die Steigerung des Wechselverhältnisses von Vertrauen in gesichertes Wissen einerseits und ungesicherte Forschungsprozesse andererseits vor dem Hintergrund des Eindringens von Strategien wissenschaftlicher Forschung in die Gesellschaft. Er unterscheidet dazu zwischen Wissen und Information, indem er Information als Kommunikation von Wis-sen ansieht. Daraus folgt: "Information wird berichtet, Wissen wird erzeugt." (S. 99). In der heutigen Informations- und Wissensgesellschaft werden Risiken der Information - inklusive der Risiken des informierten Nichtwissens - als annehmbar eingeschätzt, weil es Indikatoren zur Bewertung der Zuverlässigkeit des berichteten Wissens gibt, institutionalisiert in einem System von Standards und Zertifikaten. Wenn Industriegesellschaft und Wissensgesellschaft parallel gesetzt werden, dann müsste es eine Äquivalent zur industriegesellschaftlichen Schaf-fung eines "Systems der technologischen Zuverlässigkeit in den industriellen Fertigungsket-ten" (S. 100) in der Wissensgesellschaft geben, eine "Industrialisierung der Wissenstechnik" (ebd.). Neben Technizität bekommt Wissen dadurch auch einen Warencharakter. Die disesn Wissen erzeugende ,Wissensindustrie' muss vom wissenschaftlichen Handwerk unterschie-den werden, den Wissenschaft erzeugt Wissen noch immer überwiegend handwerklich-künstlerisch und nicht industriell. Als Beispiele für diese neue, vertikale Integration von Wis-sen nennt KROHN normierte Standards und Zertifikate, etwa Laboratorien zur Qualitätssiche-rung, die in Publikationsdatenbanken erfasste Produktivität von WissenschaftlerInnen oder die Entwicklung von Expertensystemen; zusammengefasst: "Wissensressourcen, Wissensma-nagement und Wissensverarbeitung mit Wissenstechnologien, die explizit die Richtigkeit, die Qualität und die Kompatibilität des Wissens sichern." (S. 104). Ein Zeichen für die Entste-hung dieser neuen Wissensökonomie sieht KROHN auch in der Ausweitung von Eigentums-rechten an Wissen. Wissen wird also als Rohstoff, als Produkt wie auch als Prozess in indus-trielle Wertschöpfungsketten integrierbar. Solange es sich dabei um sicheres Wissen handelt, funktioniert diese Integration. Anders sieht es aus, wenn es um unsicheres Wissen geht, wenn Wissen - etwa als komplexes Modell von Wirklichkeit - die Eigenschaft der Hypothetizität aufweist (S. 106). Wenn derartige Modellierungen und sich darauf stützende Expertisen in Wertschöpfungsketten integriert werden, schleusen sie dort den Charakter des Experimentel-len ein. Darin sieht KROHN den größten Unterschied zwischen Wissens- und Industriegesell-schaft; Gesellschaft wird zum Experimentierfeld. Die institutionelle Rationalität der Wissen-schaft dringt in alle Lebensbereiche der Gesellschaft vor - die Anwendung unsicheren Wis-sens ist Forschungstätigkeit. Gesellschaft reagiert auf diese Entwicklung mit der Erfindung der Innovationspraktiken, die Lernen ermöglichen. Der Preis dafür ist die Aufhebung der Trennung von Wissenserzeugung und Anwendung. Als Beispiele nennt KROHN Innovati-onsnetzwerke, partizipative Systementwicklung sowie die Bewältigung ökologischer Risiken - oder auch die risikobelastete Politik zum Klimawandel. KROHN kommt zum Schluss: "In-dustrialisierung des Wissens und Verwissenschaftlichung innovativer Startegien sidn Ent-wicklungsmuster der Wissensgesellschaft, in denen die Risiken des Wissens und Nichtwis-sens verarbeitet werden. Hierdurch werden in einem dynamischen Wechselspiel die Risiken des Handelns zugleich verringert und gesteigert." (S. 116).

tillwe (public note) - 2009-01-27 14:17:43

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